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ROUNDUP: Darmstädter Merck verkauft rezeptfreie Medikamente an Procter & Gamble

DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat nun doch noch einen Käufer für sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten gefunden. Nachdem sich zuletzt Interessenten wie Nestle oder Reckitt Benckiser zurückgezogen hatten, geht die Sparte an Procter & Gamble (P&G) . Der US-Konsumgüterriese zahlt 3,4 Milliarden Euro in bar, wie Merck am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten den Wert der Sparte zuvor mit 4 Milliarden Euro bewertet.

Am Vormittag fielen die Aktien um fast ein halbes Prozent. Nach einem monatelangen Verkaufsprozess hatten sich bei Investoren zuletzt bereits Sorgen breit gemacht, dass der Dax-Konzern auf dem Geschäft sitzen bleiben könnte.

Mit dem Geld will Merck seine Schulden weiter zurückfahren und gleichzeitig in Bereiche investieren, die mehr Wachstum versprechen. Dazu gehört die Pharmasparte mit dem Krebsmedikament Bavencio und der Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin.

Die Trennung von den rezeptfreien Medikamenten ist in der Pharmabranche derzeit groß in Mode. Die sogenannten OTC-Geschäfte ("Over the Counter") bringen typischerweise nur kleinere Margen. Zugleich verschlingt die Entwicklung neuer Pharma-Blockbuster viel Geld, weshalb Randgeschäftsverkäufe finanzielle Erleichterung bringen sollen.

So hatte der Schweizer Novartis-Konzern seinen Anteil am OTC-Geschäft an den britischen Joint-Venture-Partner Glaxo verkauft. Auch Pfizer möchte seine Sparte mit Vitaminpräparaten oder leichten Schmerzmitteln gerne loswerden. Das Vorhaben gerät jedoch zur Hängepartie. Die Interessenten stehen nicht gerade Schlange, da die Umsätze der Pfizer-Sparte stagnieren. Daher hatte der wahrscheinlichste Käufer Reckitt Benckiser zuletzt auch da einen Rückzieher gemacht.

Merck hatte seine Sparte im Herbst 2017 ins Schaufenster gestellt. Zwischen 2015 und 2017 wuchs der Umsatz der rezeptfreien Mittel organisch um 6 Prozent, was laut Merck über dem Marktwachstum von 4 Prozent lag. Den Umsatz im letzten Jahr bezifferte Merck auf 911 Millionen Euro. Im Rahmen der Transaktion, die bis Jahresende abgeschlossen sein soll, werden rund 3300 Mitarbeiter zu P&G wechseln.

Der US-Konsumgüterriese, der eigentlich für Marken wie Pampers, Gillette oder Braun steht, will mit dem Zukauf Umsatz und Gewinn antreiben. "Die Akquisition hilft uns dabei", sagte P&G-Manager Tom Finn. "Gleichzeitig versetzt uns dieser Schritt in die Lage, mit eigenen Kapazitäten und der nötigen Breite im Portfolio ein erfolgreiches globales OTC-Geschäft zu betreiben." Die Merck-Sparte umfasst mehr als 900 Produkte, die in 44 Ländern vertrieben werden./she/nas/men

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