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WOCHENAUSBLICK: Ermüdungserscheinungen könnten Dax weiter ausbremsen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt müssen sich in der neuen Woche wohl auf raueres Fahrwasser einstellen. Experten bleiben längerfristig zwar zuversichtlich, sehen nach dem starken Aktienlauf der vergangenen Monate aber Ermüdungserscheinungen. Da Aktien ihr fundamentales Potenzial ausgereizt hätten, blieben sie anfällig für Rückschläge, sagte Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Der deutsche Leitindex Dax hatte in der alten Woche seinen Rekordlauf mit einer Bestmarke bei 12 921 Punkten gekürt.

Börsianer sehen aber Warnsignale. In den vergangenen Tagen hatten Kursrückschläge bei US-Technologiewerten für Skepsis gesorgt. Nicht wenige Marktbeobachter halten sie inzwischen für überbewertet. Das hatte zwischenzeitlich die Börsen auch hierzulande belastet. Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar verwies zudem darauf, dass der Dax in den vergangenen Wochen oftmals gegen Tagesschluss geschwächelt habe. Investoren hätten vor dem Feierabend also eher Kasse gemacht. Kurzfristig sei dies durchaus besorgniserregend. Denn fühlten sich Anleger sicher, blieben sie eher im Markt.

In der neuen Woche dürfte sich zeigen, ob an diesen Risiken etwas dran ist. Auch das fundamentale Aktienmarktumfeld lässt derzeit laut Experten kaum größere Kurstreiber erkennen. Allein aus der Tatsache, dass die vielen politischen Risiken sich bisher nicht realisiert hätten, lassen sich laut Helaba-Expertin Windt keine weiteren Impulse ableiten. Bei den großen Investitionsplänen des US-Präsidenten Donald Trump gebe es bisher wenig Konkretes, politische Risiken in der Eurozone könnten jederzeit wieder hochkochen und in Frankreich müssten die angekündigten Reformen erst einmal umgesetzt werden.

Aktienmarktstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank blickt bei seiner vorsichtigen Einschätzung zudem auf die Wirtschaftsentwicklung. "Für die Sommermonate spricht einiges für eine Dax-Konsolidierung," wie der Experte in einer Studie schrieb. Das Wachstum in den USA und China schwäche sich ab, der zuletzt stärkere Euro trübe die deutschen Exportaussichten und deutsche Autowerte litten unter dem anhaltenden Diesel-Skandal. Zudem zeige sich nach dem zuletzt guten Lauf des Dax mittlerweile eine große Sorglosigkeit unter den Investoren.

Ein plötzlicher Kurseinbruch lässt sich der DZ Bank zufolge daraus allerdings nicht unbedingt ableiten. Zwar seien die Märkte auch 2017 nicht immun gegen einen raschen Stimmungswechsel, aktuell spreche jedoch wenig für einen abrupten Wandel, schrieben die Experten des Instituts in einem Marktkommentar. So stimmten Konjunkturdaten noch positiv und die Unternehmensgewinne seien zuletzt gewachsen.

Auf größere Impulse von der Konjunkturseite können Investoren in der neuen Woche derweil angesichts eines überschaubaren Datenkalenders wohl nicht bauen. Erst am Freitag wird es mit den dann anstehenden Stimmungsdaten aus der Dienstleistungsbranche und der Industrie der Eurozone sowie den USA spannender.

Unternehmensseitig richten sich die Blicke im Zuge der Pariser Luftfahrtmesse auf Luftfahrtwerte. Am Montag gibt es zudem eine Änderung im Kleinwerteindex SDax . Dann werden die Aktien des Immobilienunternehmens Grand City Properties die Papiere des Glücksspielanbieters Zeal Network ersetzen./mis/ajx/he

Von Michael Schilling, dpa-AFX

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